Rettet das Dativ-e

2009 Juli 8
by Manuel

DativNachdem ich in letzter Zeit einige Hörbücher, die Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde, gehört hatte (Karl May, Robert L. Stevenson), stellte sich mir folgende Frage: „Was ist eigentlich aus dem Dativ-e geworden?“

In „Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Band III, 19. und 20. Jahrhundert“ von Peter von Polenz fand ich die Antwort, die euch bestimmt auch brennend interessiert:

[...] Dagegen wurden im 19. Jh. den Grammatikern und Sprachpflegern auffällig und anstößig: das immer häufigere Fehlen des Dativ-e im Singular und das Plural-s: Die Bewahrung des Dativ-e galt seit Adelung als feste Norm der Literatursprache, obwohl e-lose Varianten längst vorkamen. In der Fontane-Zeit gab es noch viele heute unübliche Dativ-e: beim Könige, im Regimente, im Verkehre, …; Die „Gartenlaube“ von 1876 bis 1896 hielt noch voll am Dativ-e fest. Anfang des 20. Jh. waren noch sehr üblich: dem Inhalte nach, im Kriege, im Herbste, seinem Sohne, … Seit den 1890er Jahren plädieren Grammatiker zunehmend für freie Variantenwahl bzw. stilistische Differenzierung; Sprachkritiker gaben es auf, e-lose Formen als „Unsitte“, „Sprachverfall“, „Bequemlichkeit“ anzuprangern. Heute variieren -e und -Ø oft beim gleichen Sprecher/Autor nach Bedingungen des Rhythmus, des Wohllauts, der Sozialstilistik; die e-lose Variante nimmt vor allem bei einsilbigen Wörtern und nach Tieftonsilbe, nach bestimmten Vokalen der vorangehenden Silbe, nach Ableitungssuffixen zu. Die e-Flexion hält sich am besten bei idiomatisierten adverbialen Verbindungen: zum Wohle, in diesem Sinne, auf dem Lande, im Sande verlaufen, zu Hause, …

Fallen euch noch Wörter ein, bei denen man noch heute das Dativ-e verwendet?

  1. 2009 Juli 8
    Fen Permalink

    Wem koche ich das Essen? – Dem geliebten Manne…..;-)
    (und ich will jetzt von Tine nix vonwegen Verrat an der Emanzipation hören *grins*)

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